Semax
Alternative Bezeichnungen: ACTH-(4–7)-Pro-Gly-Pro, ACTH-(4–10)-Analogon, MEHFPGP
Semax – ACTH-Fragment, Neurotrophine und Forschungsstand
Semax wird in den ausgewählten Primärarbeiten als synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro beschrieben. Es verbindet ein ACTH-(4–7)-Fragment mit Pro-Gly-Pro und wird häufig als ACTH-(4–10)-Analogon bezeichnet.
Die Evidenz umfasst mechanistische Rattenstudien, experimentelle Modelle zerebraler Ischämie sowie kleine Humanstudien. Ergebnisse gelten nur für die dort untersuchten Präparate, Populationen, Methoden und Endpunkte; sie belegen keine Eigenschaft einer Peptikon-Charge.
BDNF und TrkB in Rattenmodellen
Eine Arbeit von 2006 untersuchte nach intranasaler Gabe spezifische und reversible Bindung in Membranen des basalen Vorderhirns von Ratten. Drei Stunden später wurde dort ein höherer BDNF-Proteingehalt gemessen, nicht jedoch im Kleinhirn.
Eine zweite Rattenstudie erfasste im Hippocampus BDNF-Protein, BDNF- und trkB-mRNA sowie die TrkB-Phosphorylierung. Diese Messwerte beschreiben einen möglichen neurotrophen Signalweg im Tiermodell und keinen Wirksamkeitsnachweis beim Menschen.
Genexpression nach experimenteller Ischämie
In einem Rattenmodell mit permanentem Verschluss der mittleren Hirnarterie verglich eine genomweite Analyse die Genexpression im ischämischen Kortex nach Semax mit einer Ischämie-Kontrollgruppe.
Beobachtet wurden Veränderungen vor allem bei Genen des Immun- und Gefäßsystems. Solche Transkriptomdaten zeigen, welche Prozesse unter den konkreten Versuchsbedingungen reagierten; daraus folgt keine klinische Wirkung.
Begrenzte Humanforschung
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Schlaganfallstudie von 1997: 30 behandelte Personen wurden mit 80 Personen unter konventioneller Therapie verglichen. Die Publikation ist russischsprachig; der PubMed-Abstract beschreibt ungleich große Gruppen und liefert keine ausreichenden Angaben zu Verblindung oder moderner Randomisierung.
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fMRT-Studie von 2020: Bei insgesamt 52 gesunden Teilnehmenden wurden nach Semax, Selank oder Placebo kurzfristige Veränderungen der funktionellen Konnektivität nach 5 und 20 Minuten untersucht. Das sind akute Bildgebungsparameter, keine klinischen Wirksamkeitsendpunkte.
Was die Forschung nicht belegt
Die ausgewählten Arbeiten erlauben keine allgemeine Aussage zu Nutzen, Sicherheit oder Eignung außerhalb der jeweiligen Studienbedingungen. Sie enthalten auch keinen Nachweis zu Identität, Reinheit, Sterilität, Endotoxinen oder Schwermetallen des hier dokumentierten Materials.
Forschungskontext
Untersuchte Mechanismen – BDNF/TrkB und Genexpression
Die am besten dokumentierten Mechanismen stammen aus Rattengewebe und Ischämiemodellen. Sie beschreiben gemessene molekulare Veränderungen und dürfen nicht als gesicherte Wirkung beim Menschen gelesen werden.
1. Aufbau des Heptapeptids
Semax besteht aus dem ACTH-(4–7)-Fragment Met-Glu-His-Phe und dem C-terminalen Motiv Pro-Gly-Pro. Die vollständige in den Studien angegebene Sequenz lautet Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro.
2. Bindung und BDNF-Messungen
In Membranen aus dem basalen Vorderhirn von Ratten wurde eine spezifische, reversible und calciumabhängige Bindung beschrieben. Nach Gabe an Ratten maßen die Forschenden außerdem veränderte BDNF-Proteinwerte in definierten Hirnregionen.
3. BDNF/TrkB-Signalweg
Im Rattenhippocampus wurden Veränderungen von BDNF-Protein, BDNF- und trkB-mRNA sowie TrkB-Phosphorylierung erfasst. Die gemeinsame Messung stützt eine Beteiligung dieses Signalwegs im untersuchten Tiermodell.
4. Ischämiebezogene Genexpression
Im experimentell ischämischen Rattenkortex veränderten sich unter Semax Genexpressionsmuster des Immun- und Gefäßsystems. Die Arbeit untersuchte Transkripte nach einer künstlich erzeugten Hirnischämie und keine klinische Behandlungssituation.
Grenzen der Übertragbarkeit
Molekulare Veränderungen in Ratten oder kurzfristige fMRT-Signale bei kleinen Gruppen ersetzen keine unabhängigen, ausreichend großen klinischen Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien.
Lagerung
Lyophilisiert: Bei −20 °C im Gefrierschrank lagern · Vor direktem Licht und Feuchtigkeit schützen · Im original versiegelten Behälter aufbewahren Nach Rekonstitution: Bei 2–8 °C im Kühlschrank aufbewahren · Wiederholte Einfrier-/Auftauzyklen vermeiden
Referenzen
- Studie am Menschen · Mensch · 2020Functional Connectomic Approach to Studying Selank and Semax EffectsPanikratova YR, Lebedeva IS, Sokolov OY, Rumshiskaya AD, Kupriyanov DA, Kost NV, Myasoedov NF. · DOI · PubMedStudie am Menschen. Aussagekraft abhängig von Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchter Population.
- Tierstudie · Ratte · 2014The peptide semax affects the expression of genes related to the immune and vascular systems in rat brain focal ischemia: genome-wide transcriptional analysisMedvedeva EV, Dmitrieva VG, Povarova OV, Limborska SA, Skvortsova VI, Myasoedov NF, Dergunova LV. · DOI · PubMedTierexperimentelle Studie. Ergebnisse aus dem Tiermodell sind nicht auf den Menschen übertragbar.
- Tierstudie · Ratte · 2006Semax, an analog of ACTH(4-10) with cognitive effects, regulates BDNF and trkB expression in the rat hippocampusDolotov OV, Karpenko EA, Inozemtseva LS, Seredenina TS, Levitskaya NG, Rozyczka J, Dubynina EV, Novosadova EV, Andreeva LA, Alfeeva LY, Kamensky AA, Grivennikov IA, Myasoedov NF, Engele J. · DOI · PubMedTierexperimentelle Studie. Ergebnisse aus dem Tiermodell sind nicht auf den Menschen übertragbar.
- Tierstudie · Ratte · 2006Semax, an analogue of adrenocorticotropin (4-10), binds specifically and increases levels of brain-derived neurotrophic factor protein in rat basal forebrainDolotov OV, Karpenko EA, Seredenina TS, Inozemtseva LS, Levitskaya NG, Zolotarev YA, Kamensky AA, Grivennikov IA, Engele J, Myasoedov NF. · DOI · PubMedTierexperimentelle Studie. Ergebnisse aus dem Tiermodell sind nicht auf den Menschen übertragbar.
- Studie am Menschen · Mensch · 1997[Effectiveness of semax in acute period of hemispheric ischemic stroke (a clinical and electrophysiological study)]Gusev EI, Skvortsova VI, Miasoedov NF, Nezavibat'ko VN, Zhuravleva EIu, Vanichkin AV. · PubMedStudie am Menschen. Aussagekraft abhängig von Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchter Population.
Die aufgeführten Veröffentlichungen dokumentieren den Stand der Forschung zur jeweiligen Substanz. Sie beschreiben, was in der genannten Untersuchung beobachtet wurde, und sind keine Aussage über die Wirkung oder Eignung eines Produkts.
Die Inhalte dienen der wissenschaftlichen Information und stellen keine medizinische Beratung, Empfehlung oder Anleitung dar. Für mathematische Umrechnungen von Menge, Volumen und Konzentration steht der Peptid-Rechner zur Verfügung.





