DSIP
Alternative Bezeichnungen: Delta-Schlaf-induzierendes Peptid, WAGGDASGE
DSIP – Nonapeptid, EEG-Experimente und begrenzte Humanforschung
Delta-Schlaf-induzierendes Peptid (DSIP) wurde 1977 in einem Kaninchenexperiment charakterisiert. Die veröffentlichte Sequenz lautet Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu beziehungsweise WAGGDASGE.
Die ausgewählten Primärarbeiten reichen von intraventrikulären EEG-Experimenten bei Kaninchen und Ratten bis zu zwei sehr kleinen kontrollierten Humanstudien und Messungen von DSIP-ähnlicher Immunreaktivität im Plasma. Die Humanbefunde sind uneinheitlich und erlauben keinen allgemeinen Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweis.
Charakterisierung im Kaninchenexperiment
Die Ausgangsarbeit isolierte das Peptid aus Kaninchenmaterial, bestimmte die Nonapeptidsequenz und verglich synthetisches DSIP mit Fragmenten und Analoga. Insgesamt wurden 58 Kaninchen einschließlich Kontrollen unter doppelblinden Bedingungen ausgewertet.
Nach intraventrikulärer Infusion verstärkte in diesem Versuchsaufbau nur das synthetische DSIP Delta- und Spindel-EEG-Muster signifikant. Das ist ein tierexperimenteller EEG-Befund und keine Aussage über natürliche Schlafqualität oder klinischen Nutzen beim Menschen.
Vergleichendes Schlafexperiment bei Ratten
Eine Studie von 1984 verglich fünf sogenannte Schlafsubstanzen während einer zehnstündigen intrazerebroventrikulären Infusion bei frei beweglichen männlichen Ratten. DSIP erhöhte sowohl Slow-Wave- als auch paradoxen Schlaf, die beobachteten Effekte hielten jedoch nicht lange an.
Die Arbeit untersuchte eine spezielle zentrale Infusion bei Ratten. Sie belegt weder einen bestimmten Rezeptor noch eine Wirkung bei anderer Versuchsanordnung oder beim Menschen.
Sechs gesunde Teilnehmende
Eine doppelblinde Crossover-Studie von 1981 untersuchte sechs gesunde Personen nach langsamer intravenöser Infusion. Die Autoren berichteten unmittelbare und verzögerte Veränderungen einzelner Schlafmaße und beschrieben keine klassische pharmakologische Sedierung.
Mit sechs Teilnehmenden ist die Studie sehr klein. Ihre kurzfristigen Beobachtungen können weder eine robuste Wirksamkeit noch eine allgemeine Sicherheit belegen.
Doppelblindstudie bei chronischer Insomnie
Eine Studie von 1992 verglich DSIP und Placebo bei 16 Menschen mit chronischer Insomnie über fünf Labornächte. Einzelne objektive Schlafmaße unterschieden sich, die Effekte waren laut Autoren jedoch schwach und teilweise möglicherweise durch eine zufällige Veränderung der Placebogruppe bedingt.
Die subjektive Schlafqualität veränderte sich nicht. Die Autoren folgerten, dass eine kurzfristige Behandlung der chronischen Insomnie mit DSIP wahrscheinlich keinen wesentlichen therapeutischen Nutzen hat.
DSIP-ähnliche Immunreaktivität im Humanplasma
Bei sieben gesunden Männern wurde DSIP-ähnliche Immunreaktivität seriell während Nachtschlaf, Schlafentzug und Erholungsschlaf gemessen. Sie nahm beim Übergang vom Wachzustand zum Schlaf ab; eine Schlafstadien-Spezifität wurde nicht gefunden.
Eine Immunreaktivitätsmessung zeigt Antikörperbindung und ist nicht automatisch ein Identitätsnachweis für intaktes DSIP. Der Befund erklärt daher weder einen Rezeptor noch eine kausale physiologische Rolle.
Was die Forschung nicht belegt
Die Arbeiten belegen keine zuverlässige schlaffördernde Wirkung, keine Anwendungsempfehlung und keine allgemeine Sicherheit beim Menschen. Sie enthalten auch keinen Nachweis zu Identität, Reinheit, Sterilität, Endotoxinen oder Schwermetallen des hier dokumentierten Materials.
Forschungskontext
Untersuchte Zusammenhänge – Sequenz, EEG und Schlafparameter
Für DSIP ist in den ausgewählten Primärarbeiten kein spezifischer Rezeptor und keine abschließend geklärte Signalkette belegt. Dokumentiert sind vor allem EEG-, Schlaf- und Immunreaktivitätsmessungen.
1. Definiertes Nonapeptid
Die historische Strukturarbeit bestimmte die Sequenz Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu. Versuche mit Fragmenten und Analoga dienten dazu, die beobachtete EEG-Antwort dem vollständigen synthetischen Nonapeptid zuzuordnen.
2. Delta- und Spindel-EEG bei Kaninchen
Nach zentraler Infusion wurden im Kaninchenexperiment Delta- und Spindelmuster im EEG quantifiziert. Der Name des Peptids beschreibt diese historische Beobachtung; er belegt keinen allgemein schlaffördernden Mechanismus.
3. Unterschiedliche Schlafbefunde
Das Rattenexperiment zeigte kurzfristige Veränderungen von Slow-Wave- und paradoxem Schlaf. Die beiden kleinen Humanstudien lieferten dagegen unterschiedliche Ergebnisse, wobei die spätere Insomniestudie den möglichen therapeutischen Nutzen ausdrücklich begrenzte.
4. Immunreaktivität ist keine Kausalität
Die im Humanplasma gemessene DSIP-ähnliche Immunreaktivität nahm beim Einschlafen ab und war keinem Schlafstadium spezifisch zugeordnet. Daraus lässt sich weder die Konzentration intakten DSIP noch eine kausale Funktion ableiten.
Grenzen der Übertragbarkeit
Die Literatur erlaubt keine Dosierungs- oder Anwendungsempfehlung. Historische Tierexperimente und sehr kleine Humanstudien ersetzen keine unabhängigen, ausreichend großen klinischen Wirksamkeits- und Sicherheitsstudien.
Lagerung
Lyophilisiert: Bei −20 °C im Gefrierschrank lagern · Vor direktem Licht und Feuchtigkeit schützen · Im original versiegelten Behälter aufbewahren Nach Rekonstitution: Bei 2–8 °C im Kühlschrank aufbewahren · Wiederholte Einfrier-/Auftauzyklen vermeiden
Referenzen
- Studie am Menschen · Mensch · 1995Human plasma DSIP decreases at the initiation of sleep at different circadian timesSeifritz E, Müller MJ, Schönenberger GA, Trachsel L, Hemmeter U, Hatzinger M, Ernst A, Moore P, Holsboer-Trachsler E. · DOI · PubMedStudie am Menschen. Aussagekraft abhängig von Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchter Population.
- Studie am Menschen · Mensch · 1992Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind studyBes F, Hofman W, Schuur J, Van Boxtel C. · DOI · PubMedStudie am Menschen. Aussagekraft abhängig von Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchter Population.
- Studie am Menschen · Mensch · 1981Acute and delayed effects of DSIP (delta sleep-inducing peptide) on human sleep behaviorSchneider-Helmert D, Gnirss F, Monnier M, Schenker J, Schoenenberger GA. · PubMedStudie am Menschen. Aussagekraft abhängig von Studiendesign, Teilnehmerzahl und untersuchter Population.
- Tierstudie · Kaninchen · 1977Characterization of a delta-electroencephalogram (-sleep)-inducing peptideSchoenenberger GA, Monnier M. · DOI · PubMedTierexperimentelle Studie. Ergebnisse aus dem Tiermodell sind nicht auf den Menschen übertragbar.
- Tierstudie · Ratte · 1984Differential sleep-promoting effects of five sleep substances nocturnally infused in unrestrained ratsInoué S, Honda K, Komoda Y, Uchizono K, Ueno R, Hayaishi O. · DOI · PubMedTierexperimentelle Studie. Ergebnisse aus dem Tiermodell sind nicht auf den Menschen übertragbar.
Die aufgeführten Veröffentlichungen dokumentieren den Stand der Forschung zur jeweiligen Substanz. Sie beschreiben, was in der genannten Untersuchung beobachtet wurde, und sind keine Aussage über die Wirkung oder Eignung eines Produkts.
Die Inhalte dienen der wissenschaftlichen Information und stellen keine medizinische Beratung, Empfehlung oder Anleitung dar. Für mathematische Umrechnungen von Menge, Volumen und Konzentration steht der Peptid-Rechner zur Verfügung.





